Sitzung

31 - Freie Mitteilung
Traumatology I
15. Mai 2019, 15:30 - 17:00, Szenario 1, 5. OG

Abstract

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Lässt der Laktatwert eine Aussage über die posttraumatische Inflammation bei polytraumatisierten Patienten zu?
C. Pothmann, K. Jensen, T. Berk, J. Hax, H.-C. Pape, H.-P. Simmen, V. Neuhaus, K. Sprengel, Presenter: C. Pothmann (Zürich)

Ziel
Die posttraumatische Inflammation bei polytraumatisierten Patienten führt zu einer Immunsuppression mit erhöhtem Risiko für infektiöse und/oder systemische Komplikationen. Trotz zahlreicher Bemühungen ist es oft problematisch, das «window of opportunity» zu bestimmen. Der Laktatwert ist das Produkt einer Summe inflammatorischer Vorgänge. Besteht eine Beziehung zwischen anhaltend erhöhten Laktatwert und kritischem Zustand hinsichtlich Letalität und Inflammation des Patienten?
Methoden
Es wurden 2665 polytraumatisierte Patienten (ISS >=16) aus der Klinikinternen-Traumadatenbank eines Level-1-Traumazentrums der Jahre 1996-2012 selektioniert und hinsichtlich ihrer Laktatclearence 48h nach Aufnahme in zwei Gruppen eingeteilt (Laktat anhaltend >2mmol/l vs. <=2mmol/l bei initial >2mmol/l). Der Einfluss auf die Letalität und das Vorhandensein einer inflammatorischen Komplikation (SIRS, Sepsis, Infektion) wurde mittels Chi-Quadrat, Mann-Whitney-U-Test und logistischer Regression analysiert.
Resultate
Bei 1191 Patienten fand sich ein protokollierter Laktatverlauf, welcher bei 106 Patienten nach 48h weiterhin einen Wert >2mmol/l aufwies. Diese Gruppe war signifikant schwerer verletzt (ISS 34 vs. 29) mit einem Eintrittslaktatwert von 2.6 vs. 2.2mmol/l. Auffällig war neben der höheren absoluten Letalität (29.3% vs. 8.6%, p<0.001) der deutliche Unterschied in der Standard-Mortality-Ratio (1.18 vs. 0.56). Im Median betrug das Patientenalter 41 Jahre und das Geschlechtsverhältnis m:f 3:1. Mehrheitlich lag ein stumpfes Trauma in 93.0% vor. Das vermehrte Auftreten von schweren inflammatorischen Komplikationen (Sepsis 42.3% vs. 24.2%, septischer Schock 11.4% vs. 3.7%, p<0.001; Infektion 59% vs. 47.2%, p=0.020) war jeweils signifikant (p<0.001) nicht aber das Vorhandensein eines SIRS. In der logistischen Regression bestätigten sich dieser Einfluss auf die Letalität, Sepsis und septischen Schock, wohingegen der ISS keinen Einfluss zeigte. Bezüglich Letalität war das Risiko 4-fach erhöht bei fehlender Laktatclearence.
Schlussfolgerung
Die verminderte Laktatclearence 48 Stunden nach Polytrauma zeigt einen deutlichen Einfluss auf die Letalität und das Auftreten von inflammatorischen Komplikationen unabhängig vom ISS. Somit könnte das Laktat als einfacher physiologischer Marker für die Verlaufsbeurteilung und Therapieplanung beim Polytrauma dienen.
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