Sitzung

31 - Freie Mitteilung
Traumatology I
15. Mai 2019, 15:30 - 17:00, Szenario 1, 5. OG

Abstract

3
HSM-Schwerverletztenversorgung im Zentrumsspital: Besseres Outcome nach Einweisung direkt vom Unfallort?
K. J. Kornmann, F. Maeder, F. Amsler, T. Gross, Presenter: K. J. Kornmann (Aarau)

Ziel
Im Rahmen der hochspezialisierten Medizin (HSM) sind in der Schweiz nur noch 12 Zentren zur Versorgung Schwerverletzter zugelassen. Wir interessierten uns an einem dieser Traumazentren, wie hoch je der Anteil primär vom Unfallort vs. sekundär über ein anderes Spital zugewiesener Schwerverletzter ist, sowie für charakterisierende Unterschiede zwischen diesen Gruppen.
Methoden
Analyse 2010-2017 <=24h nach Unfall versorgter Verletzter gemäss HSM-Definition (ISS ≥20 [Kinder >=16] u. AIS Head ≥3) im Vergleich primäre (Gruppe A) vs. sekundäre Versorgung (Gruppe B). Abbreviated Injury Scale, AIS; Mean±SD; chi-square; p<0.05
Resultate
Von 1418 Schwerverletzten wurden 916 (65%) primär versorgt vs. 502 (35%) zuverlegt. Primär vom Unfallort Eingelieferte waren signifikant jünger (A:57±25; B:61±22 Jahre) und schwerer verletzt (A:20±10; B:17±8 ISS), häufiger polytraumatisiert (A:52% vs. B:36%) und erlitten schwerere thorakale, abdominale, Weichteil- und Extremitäten-Verletzungen (je p=0.001). Hingegen wiesen Zuverlegte Patienten eher gravierende Schädel-Verletzungen auf (AIS Kopf/Hals: A: 3,14 ±1,3 vs. B: 3,46 ±1,3 p=0,001). Bei den sekundär Zugewiesen fand sich sowohl eine niedrigere effektive (p=0.003) wie anhand der erwarteten Letalität (RISC 2) korrigierte Spitalletalität (p=0.033) als bei den primär Versorgten. Im Notfall-Abklärungsprozess wurde die erste Schockraum-Diagnostik bei primär Versorgten früher durchgeführt, wobei für sekundär Versorgte häufiger auf (erneute) radiologischen Abklärungen verzichtet wurde (je p<0,001). Der Spitalaufenthalt sekundär Versorgter war kürzer (A:9±8 vs.; B:11±11 Tage) und das Outcome gemäss Glasgow Outcome Scale (GOS) besser (A:4±1,5 vs. B:4,2±1,3 p=0.004).
Schlussfolgerung
Jeder dritte Schwerverletzte wurde erst sekundär ins Traumazentrum eingeliefert, was gemäss internationalen Guidelines als zu hoch gilt. Allerdings konnten wir, im Gegensatz zu den meisten Literaturberichten, kein schlechteres Spital-Outcome bei erst sekundär ins Traumazentrum eingelieferten Schwerverletzten nachweisen. Angesichts der sogar signifikant niedrigeren Risiko-adaptierten Spitalletalität als bei Primärversorgten kann dies nicht mit den unterschiedlichen Verletzungskonstellationen beider Gruppen erklärt werden. Solange in der Schweiz allerdings schwerer Verletzte nur an den HSM-Traumazentren erfasst werden müssen, fehlen die Kontrollzahlen für einen adäquaten Qualitätsvergleich.
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