Sitzung

78 - Freie Mitteilung
Traumatology II
16. Mai 2019, 17:30 - 19:00, Sopra 3, 4. OG

Abstract

3
Marknagelung proximaler Tibiafrakturen über einen suprapatellaren Zugang
T. Bretschneider, C. Michelitsch, C. Sommer, Presenter: T. Bretschneider (Chur)

Ziel
Die Marknagelung ist ein bewährtes Verfahren für Tibiaschaftfrakturen. Proximal metaphysäre Frakturen stellen hierbei eine grosse Herausforderung dar. Die typische Flexions- und/oder Valgusfehlstellung kann über den Standardzugang (para- oder transligamentär, flektiertes Kniegelenk) oft nur schwer redressiert werden. Der vor einigen Jahren neu entwickelte suprapatelläre Zugang ermöglicht eine Operation an (fast) gestrecktem Kniegelenk, was die axiale Ausrichtung der Fraktur deutlich erleichtert. Ziel der Arbeit ist es, unsere Erfahrungen mit dieser Technik darzulegen.
Methoden
Zwischen 01/2014 und 05/2018 wurden 218 Patienten mit Tibiaschaftfrakturen behandelt. 130 (59,6%) Patienten erhielten eine Marknagelosteosynthese, davon 123 (56,4%) über einen parapatellar lateralen Zugang und 7 (3,2%) über einen suprapatellaren Zugang. 82 (37,6%) Patienten wurden mit einer Plattenosteosynthese versorgt und 6 (2,8%) Patienten mit einem Fixateur externe ausbehandelt. Alle 7 Frakturen, welche über einen suprapatellaren Zugang versorgt wurden, waren im proximalen Drittel lokalisiert, wobei sich in 6 Fällen eine Zwei-Etagenfraktur zeigte. 2 Frakturen waren offen (Typ IIIA und IIIC nach Gustilo-Anderson).
Resultate
Bei all diesen 7 Frakturen konnte ohne weitere Hilfsmittel eine achsengerechte Stellung erreicht werden. Bei 5 Patienten kam es zu einer zeitgerechten Heilung. 1 Patient mit IIIA offener Fraktur entwickelte eine wenig symptomatische Delayed Union mit spontaner Heilung nach 15 Monaten. 1 Patient mit IIIC offener Fraktur und initialem, sich später nicht erholendem Nervenschaden entwickelte eine infizierte Nonunion, was nach 2.5 Jahren zu einer Spät-Amputation führte.
Schlussfolgerung
Der suprapatelläre Zugang stellt eine sichere und relativ einfach durchzuführende Alternative zur üblichen Marknagelung von proximalen Tibiafrakturen dar. Die Operation bei nahezu gestrecktem Kniegelenk vermeidet einerseits den ungünstigen Zug auf das proximale Hauptfragment durch den gespannten Kniestreckapparat mit typischer Flexionsfehlstellung. Das retropatelläre Einbringen des Nagels ermöglicht andererseits die Wahl eines günstigen flachen Eintrittswinkels in Relation zum Tibiaschaft. Als potentiellen Nachteil muss der transartikuläre Zugangsweg gewertet werden mit möglichem Knorpelschaden sowie einem gewissen Gelenksinfektrisiko.
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