Sitzung

65 - Preissitzung
Poster session
16. Mai 2019, 13:45 - 15:15, Sopra 3, 4. OG

Abstract

19
Schwerverletztenversorgung im Traumazentrum: Wie häufig ist ein Thoraxtrauma und wie oft braucht es chirurgisch mehr als eine Thoraxdrainage?
S. Walkner, F. Maeder, F. Amsler, T. Gross, Presenter: S. Walkner (Aarau)

Ziel
In Hinblick auf den Ressourcen- und Ausbildungsbedarf wollten wir wissen, wie häufig in der Schwerverletztenversorgung eines HSM-Traumazentrums relevante Thoraxverletzungen auftreten bzw. wie oft eine thoraxchirurgische Spezialversorgung notwendig ist.
Methoden
Retrospektive Analyse aller von 2010-17 notfallmässig mit einem Mindesttrauma New Injury Severity Score (NISS) >=8 betreuten Patienten bzgl. relevanter Thoraxverletzung (Abbreviated Injury Scale (AIS) Thorax (ohne Brustwirbelverletzungen) >1. Mean +/- SD; ANOVA.
Resultate
In der Beobachtungsperiode wurden 2839 Verletzte mit NISS>=8 behandelt. Davon erlitten 983 Patienten eine Verletzung der Thoraxregion (AIS>0, inkl. BWS) bzw. 791 (27,9%) eine relevante Thoraxverletzung gemäss Einschlusskriterien. 27,2% (n=215) aller relevant Thoraxverletzten bedurften eines Eingriffes am Thorax, welcher in 87% (n=187) allein einer Thoraxdrainage entsprach. Patienten mit relevanter Thoraxverletzung wie solche mit daraus resultierender chirurgischer Eingriffsnotwendigkeit waren häufiger männlich, erlitten öfter ein Hochenergietrauma, wurden häufiger mit dem Helikopter eingeliefert, waren im Mittel schwerer verletzt, kamen häufiger auf die Intensivstation und blieben im Mittel länger im Spital (alle p<0.001). Sie unterschieden sich nicht von Patienten ohne relevante Thoraxverletzung bzgl. z.B. mittlerem Alter, initialem GCS, OP-Bedürftigkeit oder Spitalletalität. Die 3,5% der relevant Thoraxverletzten, welche mehr als eine Drainage als chirurgische Intervention bedurften, wiesen gegenüber denjenigen, für welche eine Thoraxdrainage reichte keine sign. Unterschiede bzgl. Patienten- und Trauma-Charakteristika auf.
Schlussfolgerung
In einem Schweizer Traumazentrum benötigten nur 1% aller signifikant Verletzten bzw. pro Jahr circa 3-4 Fälle mit relevanter Thoraxverletzung eine über eine Bülau-Drainage hinausgehende thoraxchirurgische Versorgung. Solange die Thoraxdrainagen-Einlage essentieller Bestandteil der (unfall-) chirurgischen Ausbildung bleibt, erscheint eine spezifische Thoraxchirurgie auch für ein HSM-Zentrum optional. Angesichts fehlender charakterisierender Unterschiede zwischen Thoraxverletzten, für welche eine Drainage reicht versus denen für die nicht, können bedürftige Fälle allerdings nicht regelhaft früh, z.B. präklinisch, anhand typisch vorhandener Notfallinformationen selektioniert werden.
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